Sonntag, 19. Mai 2013

Zwinger

Inhalt
Gretchen geht zum Bild von Maria um dort Blumen aufzustellen. Hier erleichtert sie ihr schweres Herz.
Personen
Gretchen  Interpetation
Margarete wird nun auch im Stück Gretchen genannt. In dieser Szene wechselt ihre Bezeichnung von Margarete zu Gretchen. Sie bringt der Mutter Maria Blumen dar. Diese Blumen sind eine bildhafte Versinnbildlichung ihrer Unschuld, bzw ihrer nicht mehr vorhanden Unschuld. Blumen stehen häufig in der Dichtung für jene zarten Damen, die noch unberührt sind.  Die Umgebung ist fröhlich und die Blumen sind ein heiteres, schönes Element. Dies stellt einen deutlichen Kontrast zwischen Gretchens Innenwelt und der Außenwelt her. Bildhaft sind auch die Scherben vor ihrem Fenster. Das Fenster ist der Ausblick, den sie von ihrem Zimmer in die Welt hat. Als Metapher steht es für die Scherben, die sie  sieht, wenn sie offenen Blickes in die Welt blickt, denn ihr ist bewusst, dass sie nicht mehr unschuldig ist, sondern sich mit Faust versündigt hat. Ebenfalls das Schwert im Herzen ist eine bildhafte Darstellung des seelischen Schmerz. Ihr ist ihre Sünde vollens bewußt und sie zeigt deutlich wie nah ihr ihre Verfehlung geht. Sie leidet sehr darunter die Sünden begangen zu haben und versucht durch ihre Beichte und Andacht bei der Jungfrau Maria ihre Sünden zu entschuldigen.  Wie es sich für eine gläubige Frau gehört sucht sie ihr Glück darin sich der Mutter Gottes anzuvertrauen und dort ihr Gewissen zu erleichtern. Zunächst referiert sie über ihren eigenen Schmerz, geht dann über darin Jesus Schmerzen zu betrauern, schließlich schildert sie ihr eigenes Leid. Am Ende bettelt sie erneut um Erleichterung.

Sprache
Die acht Strophen bestehen aus unterschiedlichen Versen mit gemischten Reimformen ( Paarreim, Kreuzreim, umarmender Reim, Schweifreim). Auch der Takt des Gedichts hat keine einheitliche Form, da sich diese der Spannung der Rednerin (Gretchen) anpasst. Sie wechselt zwischen Traurigkeit und Verzweiflung, was sich deutlich in den Versen und Kadenzen widerspiegelt. Bis 3607 haben die Stroßen immer drei Verse ( also 6 Reihen ), dann vier, es folgen zwei mal sechs, dann vier Verse. Diese Abgrenzung der Zeilen voneinander erfolgt, damit die Inhalte in ihre Sinnabschnitte gegliedert werden. So wird die Einleitung vom Hauptteil deutlich abgetrennt. Es handelt sich um jambische 1 bis Vierheber. Die Ausnahme bilden die folgenden Zeilen: Hierbei handelt es sich um einen Trochäus und einen Anapäst:
Was mein armes Herz hier banget,
3600
Was es zittert, was verlanget,
Weißt nur du, nur du allein!
Durch die ANDERSARTIGKEIT wird auch ihre Bedeutung betont. Man lässt sie aus dem restlichen Inhalt hervorstechen, um die bedeutsamen Inhalte noch einmal vor Augen zu führen. Der Zuschauer soll wissen wie innig Maria und Gretchen verbunden sind. Weiterhin ist in diesen Zeilen auch noch eine Anaper verborgen: Was es zittert, was.... Dies hebt die Bedeutung des Inhaltes noch einmal hervor.


Zwinger.
In der Mauerhöhle ein Andachtsbild der Mater dolorosa, Blumenkrüge davor.
Gretchen.
steckt frische Blumen in die Krüge.
Ach neige,
Du Schmerzenreiche,
Dein Antlitz gnädig meiner Noth!

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3590
Das Schwert im Herzen,
Mit tausend Schmerzen
Blickst auf zu deines Sohnes Tod.

Zum Vater blickst du,
Und Seufzer schickst du
3595
Hinauf um sein’ und deine Noth. [240]
Wer fühlet,
Wie wühlet
Der Schmerz mir im Gebein?
Was mein armes Herz hier banget,
3600
Was es zittert, was verlanget,
Weißt nur du, nur du allein!

Wohin ich immer gehe,
Wie weh, wie weh, wie wehe
Wird mir im Busen hier!
3605
Ich bin ach kaum alleine,
Ich wein’, ich wein’, ich weine,
Das Herz zerbricht in mir.

Die Scherben vor meinem Fenster
Bethaut’ ich mit Thränen, ach!
3610
Als ich am frühen Morgen
Dir diese Blumen brach.

Schien hell in meine Kammer
Die Sonne früh herauf,
Saß ich in allem Jammer
3615
In meinem Bett’ schon auf.
[241]
Hilf! rette mich von Schmach und Tod!
Ach neige,
Du Schmerzenreiche,
Dein Antlitz gnädig meiner Noth!
[242]

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