Sonntag, 19. Mai 2013

Gretchens Stube

Inhalt
Gretchen sitzt allein in ihrer Kammer vor dem Spinnrad, sieh hat große Sehnsucht nach Faust und wünscht sich er wäre da.
Personen
Gretchen
 Interpretation
In diesem sehr kurzen Monolog erhalten wir einen Einblick in Gretchens Gedankenwelt. Sie ist sehr verliebt in ihn und sieht keinen Sinn mehr im Leben ohne ihn ( Wo ich ihn nicht hab, ist mir das Grab...). Sie zeigt bereits eindeutige Zeichen von Abhängigkeit von ihm. Inzwischen hat sie die sexuellen Begierden übernommen, von dem tugendhaftem Mädchen von einst ist nicht mehr viel übrig ( Ach dürft’ ich   Und halten ihn..Und küssen ihn..). Die Ereignisse haben sich sichtlich erschütttert und in ihrer inneren Ruhe gestört / verändert ( meine Ruh ist hin), sie leidet auch unter der Trennung ( Mein Herz ist schwer ).

Gretchens Stube.
Gretchen
am Spinnrade allein.
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               Meine Ruh’ ist hin,
3375
          Mein Herz ist schwer;
          Ich finde sie nimmer
          und nimmermehr.

               Wo ich ihn nicht hab’
          Ist mir das Grab,
3380
          Die ganze Welt
          Ist mir vergällt.
[224]
               Mein armer Kopf
          Ist mir verrückt,
          Meiner armer Sinn
3385
          Ist mir zerstückt.

               Meine Ruh’ ist hin,
          Mein Herz ist schwer,
          Ich finde sie nimmer
          und nimmermehr.

3390
               Nach ihm nur schau’ ich
          Zum Fenster hinaus,
          Nach ihm nur geh’ ich
          Aus dem Haus.

               Sein hoher Gang,
3395
          Sein’ edle Gestalt,
          Seines Mundes Lächeln,
          Seiner Augen Gewalt,

               Und seiner Rede
          Zauberfluß,
3400
          Sein Händedruck,
          Und ach sein Kuß!
[225]
               Meine Ruh’ ist hin,
          Mein Herz ist schwer,
          Ich finde sie nimmer
3405
          Und nimmermehr.

               Mein Busen drängt
          Sich nach ihm hin,
          Ach dürft’ ich fassen
          Und halten ihn!
3410
          Und küssen ihn
          So wie ich wollt’,
          An seinen Küssen
          Vergehen sollt’!
[226]

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