Sonntag, 19. Mai 2013

Spazirgang.

Inhalt: Faust und Mephisto unternehmen einen weiteren Spaziergang. Mephisto ist sehr zornig, als Faust ihn nach dem Grund für den Zorn. Mephisto erklärt, dass Gretchen die Kette der Kirche  gegeben hätte, er schäumt vor Wut. Faust fordert auf ein weiteres Schmuckstück für Gretchen zu besorgen.

Personen: Mephisto, Gretchen

Interpretation
Mephisto kritisiert offen die Kirche in seinem Teil des Dialoges ( V  2835- 2840). Die Sprache und Aufmachung ist viel gelöster als in vielen anderen Teilen des Dramas, es enthält sogar Humor. So äußert sich Mephisto, dass er es selbst dem Teufel geben würde wenn er nicht selbst der Teufel wäre. Margarete wird von Mephisto abgewertet ( sie zog ein schiefes Maul V 2828), ihr missfiel die Weitergabe des Schmucks durch ihre Mutter. Sprachlich zeigt sich Mephistos Fassungslosigkeit auch darin, dass er nur noch Elipsen verwendet am Beginn, also unvollständige Sätze  (Beym höllischen Elemente!). Er sucht sogar nach den richtigen Worten ( Ich wollt ich wüßte was ärgers....) aber findet diese nicht. Mephisto ist mit der Situation in solchem Maße unzufrieden wie er auch ihr machtlos gegenübersteht.
Spazirgang.
Faust in Gedanken auf und ab gehend. Zu ihm Mephistopheles.
Mephistopheles.
-->
2805
Bey aller verschmähten Liebe! Beym höllischen Elemente!
Ich wollt’, ich wüßte ’was ärgers, daß ich’s fluchen könnte!

Mephisto hat sehr schlechte Laune und Faust fragt ihn wo das herkommt

Faust.
Was hast? was kneipt dich denn so sehr?
So kein Gesicht sah’ ich in meinem Leben!

Mephistopheles.
Ich möcht’ mich gleich dem Teufel übergeben,
2810
Wenn ich nur selbst kein Teufel wär’!

Faust.
Hat sich dir was im Kopf verschoben?
Dich kleidet’s, wie ein Rasender zu toben!
[181]
Mephistopheles.
Denkt nur, den Schmuck für Gretchen angeschafft,
Den hat ein Pfaff hinweggerafft! –
2815
Die Mutter kriegt das Ding zu schauen,
Gleich fängt’s ihr heimlich an zu grauen:
Die Frau hat gar einen feinen Geruch,
Schnuffelt immer im Gebetbuch,
Und riecht’s einem jeden Möbel an,
2820
Ob das Ding heilig ist oder profan;
Und an dem Schmuck da spürt sie’s klar,
Daß dabey nicht viel Segen war.
Mein Kind, rief sie, ungerechtes Gut
Befängt die Seele, zehrt auf das Blut.
2825
Wollen’s der Mutter Gottes weihen,
Wird uns mit Himmels-Manna erfreuen!
Margretlein zog ein schiefes Maul,
Ist halt, dacht’ sie, ein geschenkter Gaul,
Und wahrlich! gottlos ist nicht der,
2830
Der ihn so fein gebracht hierher.
Die Mutter ließ einen Pfaffen kommen;
Der hatte kaum den Spaß vernommen,
Ließ sich den Anblick wohl behagen.
[182]
Er sprach: So ist man recht gesinnt!
2835
Wer überwindet der gewinnt.
Die Kirche hat einen guten Magen,
Hat ganze Länder aufgefressen,
Und doch noch nie sich übergessen;
Die Kirch’ allein, meine lieben Frauen,
2840
Kann ungerechtes Gut verdauen.
Mephisto ärgert sich, dass Margarete den Schmuck der Kirche zur Verfügung gestellt hat, weil sie spürte, dass von dem Schmuck kein Segen ausgehe, er übt auch Kritik an der Kirche, die bereits ganze Länder aufgeressen habe
Faust.
Das ist ein allgemeiner Brauch,
Ein Jud’ und König kann es auch.

Mephistopheles.
Strich drauf ein Spange, Kett’ und Ring’,
Als wären’s eben Pfifferling’,
2845
Dankt’ nicht weniger und nicht mehr,
Als ob’s ein Korb voll Nüsse wär’,
Versprach ihnen allen himmlischen Lohn –
Und sie waren sehr erbaut davon.
Sie schien auf das Geschenk trotz des beträchtlichen Wertes weniger Wert zu legen, als auf die Seeligkeit ( der himmlische Lohn ).
Faust.
Und Gretchen?

Mephistopheles.
 Sitzt nun unruhvoll,
2850
Weiß weder was sie will noch soll,
[183]
Denkt an’s Geschmeide Tag und Nacht,
Noch mehr an den, der’s ihr gebracht.
Mephisto erklärt, dass das Geschenk Gretchen sehr durcheinander gebracht hat und das sie an Faust denkt, auch das sie aus der Ruhe ist.
Faust.
Des Liebchens Kummer thut mir leid.
Schaff’ du ihr gleich ein neu Geschmeid’!
2855
Am ersten war ja so nicht viel.

Mephistopheles.
O ja, dem Herrn ist alles Kinderspiel!

Faust.
Und mach’, und richt’s nach meinem Sinn!
Häng’ dich an ihre Nachbarinn.
Sey Teufel doch nur nicht wie Brey,
2860
Und schaff’ einen neuen Schmuck herbey!
Faust beauftragt Mephisto neuen Schmuck herbei zu schaffen
Mephistopheles.
Ja, gnäd’ger Herr, von Herzen gerne.
Faust ab.
Mephistopheles.
So ein verliebter Thor verpufft
Euch Sonne, Mond und alle Sterne
Zum Zeitvertreib dem Liebchen in die Luft.
ab.



[184]
Spazirgang.
Faust in Gedanken auf und ab gehend. Zu ihm Mephistopheles.
Mephistopheles.
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2805
Bey aller verschmähten Liebe! Beym höllischen Elemente!
Ich wollt’, ich wüßte ’was ärgers, daß ich’s fluchen könnte!

Faust.
Was hast? was kneipt dich denn so sehr?
So kein Gesicht sah’ ich in meinem Leben!

Mephistopheles.
Ich möcht’ mich gleich dem Teufel übergeben,
2810
Wenn ich nur selbst kein Teufel wär’!

Faust.
Hat sich dir was im Kopf verschoben?
Dich kleidet’s, wie ein Rasender zu toben!
[181]
Mephistopheles.
Denkt nur, den Schmuck für Gretchen angeschafft,
Den hat ein Pfaff hinweggerafft! –
2815
Die Mutter kriegt das Ding zu schauen,
Gleich fängt’s ihr heimlich an zu grauen:
Die Frau hat gar einen feinen Geruch,
Schnuffelt immer im Gebetbuch,
Und riecht’s einem jeden Möbel an,
2820
Ob das Ding heilig ist oder profan;
Und an dem Schmuck da spürt sie’s klar,
Daß dabey nicht viel Segen war.
Mein Kind, rief sie, ungerechtes Gut
Befängt die Seele, zehrt auf das Blut.
2825
Wollen’s der Mutter Gottes weihen,
Wird uns mit Himmels-Manna erfreuen!
Margretlein zog ein schiefes Maul,
Ist halt, dacht’ sie, ein geschenkter Gaul,
Und wahrlich! gottlos ist nicht der,
2830
Der ihn so fein gebracht hierher.
Die Mutter ließ einen Pfaffen kommen;
Der hatte kaum den Spaß vernommen,
Ließ sich den Anblick wohl behagen.
[182]
Er sprach: So ist man recht gesinnt!
2835
Wer überwindet der gewinnt.
Die Kirche hat einen guten Magen,
Hat ganze Länder aufgefressen,
Und doch noch nie sich übergessen;
Die Kirch’ allein, meine lieben Frauen,
2840
Kann ungerechtes Gut verdauen.

Faust.
Das ist ein allgemeiner Brauch,
Ein Jud’ und König kann es auch.

Mephistopheles.
Strich drauf ein Spange, Kett’ und Ring’,
Als wären’s eben Pfifferling’,
2845
Dankt’ nicht weniger und nicht mehr,
Als ob’s ein Korb voll Nüsse wär’,
Versprach ihnen allen himmlischen Lohn –
Und sie waren sehr erbaut davon.

Faust.
Und Gretchen?

Mephistopheles.
 Sitzt nun unruhvoll,
2850
Weiß weder was sie will noch soll,
[183]
Denkt an’s Geschmeide Tag und Nacht,
Noch mehr an den, der’s ihr gebracht.

Faust.
Des Liebchens Kummer thut mir leid.
Schaff’ du ihr gleich ein neu Geschmeid’!
2855
Am ersten war ja so nicht viel.

Mephistopheles.
O ja, dem Herrn ist alles Kinderspiel!

Faust.
Und mach’, und richt’s nach meinem Sinn!
Häng’ dich an ihre Nachbarinn.
Sey Teufel doch nur nicht wie Brey,
2860
Und schaff’ einen neuen Schmuck herbey!

Mephistopheles.
Ja, gnäd’ger Herr, von Herzen gerne.
Faust ab.
Mephistopheles.
So ein verliebter Thor verpufft
Euch Sonne, Mond und alle Sterne
Zum Zeitvertreib dem Liebchen in die Luft.
ab.
[184]

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