Sonntag, 19. Mai 2013

Faust

Die Hauptfigur aus dem gleichnamigen Stück sollte bei jeder Interpretation intensiv betrachetet werden. Faust ist die Hauptfigur und wird auf Grund einer Wette zwischen Gott und dem Teufel in Versuchung geführt. Er ist der Spielball höherer Mächte, die ihn und Gretchen schließlich ins Verderben führen. Faust ist zwar zutiefst menschlich, da er sich nach Liebe sehnt, Gefühle ihn beherrschen und er voller Fehler ist, jedoch ist er keinesfalls der typische Mensch seiner Zeit. Vielmehr verkörpert er ein Idealbild des Gelehrten seiner Zeit und ist dem Autor Goethe sehr ähnlich.

Faust ist ein Suchender und wandelt durch sämtliche Wissenschaften, studiert viele Fächer und findet doch nicht das was er sucht. Er sucht nach dem Wesentlichen, dem Kern der Dinge, dem was die Welt im Inneren zusammenhält.

Die Themen, zwischen denen die Figur des Faust sich bewegt, sind Irrtum und Schuld. Diese zu tiefst menschlichen Themen dominieren während dem ganzen Stück die Szenerie. Irrtum, da Faust wieder und wieder glaubt auf dem richtigen Weg zu sein und sich doch wieder in die falsche Wissensrichtung bewegt. Schuld, da Faust den Weg der Tugend verlässt und sich versündigt, als er Gretchen  vom rechten Weg abbringt.

Betrachtet man die Ausarbeitung der Figur stellt man fest, dass es sich bei Faust weniger um eine aktive, handelnde Figur handelt, sondern mehr um eine reagierende, passive. Er seht sich unglaublich stark nach Leben und Lebendigkeit ( Szene: Nacht), jedoch tritt er kaum in Erscheinung, als er mit Mephisto in Auerbachs Keller ist. Während dieser Lieder singt und die Menschen im Keller unterhält, bringt er einzig und allein die Aussage hervor, dass er nun gerne fahren würde ( V 2296 ).

 Faust ist zwar ein aktiver Suchender und auch sehr rhetorisch geschickt ( wie man an dem Gespräch mit Wagner deutlich erkennen kann ), jedoch ist er wenig initiativ und reagiert primär. Er regiert auch zunehmend auf seine triebhafte Sehnsucht, auf seinen Durst nach Leben, den er bereits von der ersten Szene an kundtut. Zwar ist dieser Hunger nach Leben und die Wichtigkeit des Gefühls typisch für die Helden des Sturm und Drang, wo nicht mehr der Geist und die Rationalität, sondern nur das Gefühl wichtig war, jedoch wird er immer mehr zum Opfer dieser Bedürfnisse. Auch wenn man zunächst denken könnte, dass Faust ein idealisierter Mensch ist, eine besondere, eine erhöhte Figur, wird bei näherer Betrachtung schnell klar, dass Faust durchaus durchschnittlich ist: Er ist triebhaft und bereit sogar seine unsterbliche Seele für ein wenig Lebensfreude zu opfern, er ist unzufrieden mit seinem Leben obwohl er viel erreicht hat, er ist jedoch auch nicht hoch erfreut, als er schließlich mit Mephisto das Leben erkundet ( zum Beispiel ist er in Auerbachs Keller nicht euphorisch, sondern hällt sich im Hintergrund).

Faust das Genie des Sturm und Drang
Gundolf, Friedrich ( Goethe 12. Auflage, Berlin 19225) urteilt:
" Genietragik, des starken Einzelnen, das durch den Konflikt zwischen seinem Trieb nach Allheit und Wunsch sich ganz im schönen Augenblick hinzugeben ( S 139).

Faust der Täter

Daur, Alfred ( Faust und der Teufel, Heidelbert 1950, S 10 ) begründet die Tragödie durch Fausts Charakter, dessen tragischer Charakter ein tragisches Geshichk hätte. Er fange nach Misserfolgen immer wieder neu an und erleide dann erneut einen Absturz, urteilt Daur.

 
Faust der Durchschnittsmann?

V. Wiese sieht in Faust einen Grenzgänger ( ab S 146), der keineswegs durchschnittlich ist: "Denn Faut ist ja keineswegs durschschnittliche oder eine Mehrheit vertretende menschliche Existenz, auch nicht besipielhafter, in sich unbestimmter, aber durchaus bestimmbarer Träger einer Entwicklungsreihe, wie Wilhelm Meister, sondern Faust ist in seinem übermenschlichen Streben [...] und in seiner Magie, die sich übernatürlicher Mittel bedient und die er erst am Ende seines Lebens von seinem Pfade entfernen möchte, Mensch in einer außergewöhnlichen, nach innen und außen gesteigerten Grenzlage, die auf andere nicht übertragbar ist, die aber gerade als Grenzlage ein Maximum des Menschlichen sichtbar zu machen vermag, wie es hier am extremen, durch Dichtung angenommenen Fall verdeutlicht wird: die absoluten, nicht mehr zu steigernden Möglichkeiten des Menschen wie auch seine absoluten, nicht mehr uüberwindbaren Grenzen."

Die Grenzen die Faust sprengt zeigt sich in den Widersprüchen, die er in sich vereint : Glück und Verzwiflung, Tag und Nacht, Magie und Wissenschaft, Diesseits und Jenseits, Hier und Jetzt und Geisterwelt. Besonders die Magie ist wichtig, wenn man sich die Figur des Faust ansieht. Er ist keineswegs das verführte Opfer, das vom Teufel in Versuchung geführt wurde, sondern spielt bereits bei seinem ersten Auftreten mit Geistern und fremden Mächten.


Faust ist ein Mann voller Widersprüche

Wie man an diesem Zitat sieht ist Faust keinesfalls als Durchschnittsmensch zu sehen. Bereits bei seinem ersten Auftreten, in der Szene Nacht, wird er an die erste Grenze gebracht: Er möchte sich das Leben nehmen. Doch damit nicht genug, er sucht auch nach der Grenze auf der anderen Seite der Polarität: Er will das totale Glück, sucht nach der Erhöhung und der grenzenlosen Euporie.

Faust scheint der perfekte Gelehrte und doch hadert er stark mit dieser Rolle ( 
Von allem Wissensqualm entladen,
In deinem Thau gesund mich baden!

      Weh! steck’ ich in dem Kerker noch? V 396 und folgende ).

Faust

strebsam
wissbegierig
Gelehrter
Figur an Sturm und Drang angelegt
Widersprüche ( Hochmut und Demut=
Viele Extreme
hat viele Talente
weit entwickelter Mensch
unglücklich dadurch tragisch
unmodern
immer unzufrieden

Nacht ( In Fausts Zimmer )
unruhig ( Anfangn)
Verzweifelt hat lange nach Wissen gestrebt und blieb dabei doch erfolglos (Da steh’ ich nun, ich armer Thor Z 358 ff)
Hat akademische Titel erlangt (
Heiße Magister, heiße Doctor gar,..) Z 360

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