Sonntag, 19. Mai 2013

Lieschen

Die Randfigur Lieschen tritt nur in einer einzigen Szene auf. Bei dem Gespräch am Brunnen ist sie die Gesprächspartnerin von Gretchen. Es wird darüber gesprochen, dass eine Dorfbewohnerin, Bärbel, ein uneheliches Kind erwartet.

Die Szene hat im Stück Faust eine wichtige Funktion und somit auch die Figur des Lieschen. Die Person an sich ist nicht weiter von Belang, jedoch ist sie als Repräsentantin der Gesellschaft mit all ihren Regeln und Normen für die Geschichte und die Dramaturgie von Belang. Als Dialogpartnerin von Gretchen liefert sie uns als Zuschauern wichtige Erkenntnisse über das Innenleben von Gretchen.

Lieschen steht stellvertretend für die gesamte Gesellschaft, die das Verhalten der unsittlichen Bärbel verurteilt. Sie zeigt damit auch der Sünderin Gretchen sehr deutlich wohin ihr Weg noch führen wird: Direkt in die Verachtung der damaligen Gesellschaft. Hat doch Bärbel ( und damit auch Gretchen ) nicht nur gegen die Normen der Gesellschaft verstoßen, sondern auch Gottes Gebot nicht eingehalten. 

Im Dialog mit Gretchen zeigt sich der unterschiedliche Standpunkt zur Situation. Bärbelchen wird hierbei zum Stellvertreter für Gretchen, denn ihre Sünden sind ja noch nicht aufgedeckt, bzw. von der Gesellschaft entdeckt. Bärbels Verhalten hällt sie und damit auch die Gesellschaft, für undiszipliniert, liederlich ( sowas wie schlampig ) und unzüchtig. Sie zeigt keinerlei Verständnis für Bärbels Verhalten und die Not die sich aus dem Verhalten ergibt.


Sie verurteilt Bärbel scharf, jedoch kann man sehr deutlich zwischen den Zeilen sehr deutlich ihren Neid herauslesen ( V3555 Mußt’ überall die erste seyn,
Curtesirt’ ihr immer mit Pastetchen und Wein; Bild’t sich was auf ihre Schönheit ein). Denn während die braven Bürgerinnen und Bürger keusch auf den Richtigen warten, arbeiten und sich so verhalten, dass auch bloß kein Nachbar Anstoß daran nehmen kann, hat Bärbel ihr Leben bereits in vollen Zügen genossen und sich mit den Herren amüsiert.

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