Sonntag, 21. April 2013

Dom.

 Inhalt
Gretchen sucht Schutz im Dom, da wird sie von einem bösen Geist geqält. Die Qualen werden so groß, dass sie in Ohnmacht fällt.

Personen:
Gretchen
Geist
Nachbarin

Interpretation:
Diese Szene spielt wieder vor einem christilichen Hintergrund. Diesmal spielt sich die Handlung im Dom ab. Vormals war die  Szene Zwinger vor einem christlichen Hintergrund. Diesmal ist die Szenerie weit aus dramatischer, festlicher und förmlicher. Die Orgel spielt und ein Chor singt. Der Chor singt eine Totenmesse: Dies Irae. Es handelt sich dabei um eine Totenmesse, die vom jüngsten Gericht handelt. Inhalt der lateinischen Strophen ist, dass der Richter bereit sitzt und niemand diesem Gericht entkommen kann.
Der Böse Geist repräsentiert das schlechte Gewissen von Gretchen, dessen Bruder tot ist und dessen Mutter ebenfalls den Folgen einer Vergiftung durch den Schlaftrunk erlag. Für beide Tragödien trägt sie eine moralische Mitschuld oder ist sogar der unmittelbare Auslöser. Die Sprache des bösen Geistes ist bewußt unstrukuriert und locker, während die Messe einer strengen sprachlichen Struktur gehorcht. Die Messe wird, wie es sich gehört, vom Chor  in lateinischer Sprache zelebriert. Um die Dramatik der Ereignisse noch hervorzuheben wird die Szenerie mit Orgelklängen untermalt.
Dom.
Amt, Orgel und Gesang.
Gretchen unter vielem Volke. Böser Geist hinter Gretchen.
Böser Geist.
Wie anders, Gretchen, war dir’s,
Als du noch voll Unschuld
Hier zum Altar trat’st,
Aus dem vergriffnen Büchelchen
3780
Gebete lalltest,
Halb Kinderspiele,
Halb Gott im Herzen
Gretchen!
Wo steht dein Kopf?
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[253]
3785
In deinem Herzen,
Welche Missethat?
Bet’st du für deiner Mutter Seele? die
Durch dich zur langen, langen Pein hinüberschlief.
Auf deiner Schwelle wessen Blut?
3790
– Und unter deinem Herzen
Regt sich’s nicht quillend schon,
Und ängstet dich und sich
Mit ahndungsvoller Gegenwart?

Gretchen.
Weh! Weh!
3795
Wär’ ich der Gedanken los,
Die mir herüber und hinüber gehen
Wider mich!
Der böse Geist quält Gretchen, die sich versucht im Dom Erleichterung zu schaffen
Chor.
Dies irae, dies illa
Solvet saeclum in favilla.
Orgelton.
Böser Geist.
3800
Grimm faßt dich!
Die Posaune tönt!
Die Gräber beben!
[254]
Und dein Herz,
Aus Aschenruh’
3805
Zu Flammenqualen
Wieder aufgeschaffen,
Bebt auf!

Gretchen.
Wär’ ich hier weg!
Mir ist als ob die Orgel mir
3810
Den Athem versetzte,
Gesang mein Herz
Im Tiefsten lös’te.

Chor.
Judex ergo cum sedebit,
Quidquid latet adparebit,
3815
Nil inultum remanebit.
Gretchen wird weiter von dem bösen Geist gequält, dadurch wird es für sie immer beschwerlicher, die Not breitet sich auch körperlich aus
Gretchen.
Mir wird so eng’!
Die Mauern-Pfeiler
Befangen mich!
Das Gewölbe
3820
Drängt mich! – Luft!
[255]
Böser Geist.
Verbirg’ dich! Sünd’ und Schande
Bleibt’ nicht verborgen.
Luft? Licht?
Weh dir!

Chor.
3825
Quid sum miser tunc dicturus?
Quem patronum rogaturus?
Cum vix justus sit securus.

Böser Geist.
Ihr Antlitz wenden
Verklärte von dir ab.
3830
Die Hände dir zu reichen,
Schauert’s den Reinen.
Weh!

Chor.
Quid sum miser tunc dicturus?

Gretchen.
Nachbarin! Euer Fläschchen! –
Sie fällt in Ohnmacht.
[256]
Gretchen fällt in Ohnmacht

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