Samstag, 20. April 2013

Am Brunnen.

Inhalt
Gretchen und Lieschen treffen sich am Brunnen. Hier tauschen sie Neugigkeiten aus. Bärbelchen erwaretet ein Kind von einem Mann, der sich schon aus dem Staub gemacht hat. Während Lieschen voller Schadenfreude ist bedauert Gretchen die werdende Mutter zu tiefst. Sie wird sich ihrer eigenen Sünden bewußt.

Personen
  • Gretchen
  • Lieschen

Interpretation
Goethe scheint ein entscheidenes Detail bewußt auszulassen. Wir erfahren davon, dass sie planen die Mutter in einen Schlaf zu versetzen, um Liebe zu machen. Jetzt sehen wir Gretchen mit Lieschen über eben jene Sünde referieren. Die Sünderin Bärbel ( Bärbelchen ) kommt bei der Betrachtung nicht besonders gut weg. Lieschen ist sehr schadenfroh, was die Folgen von Bärbelchens moralsicher Verfehlung angeht. Sie empfindet es auch als gerecht, dass sich der Vater des ungeborenen Kindes aus dem Staub gemacht hat. An Gretchens betroffener, verhaltener Reaktion kann der Zuschauer erahnen was sich abgespielt haben muss  zwischen ihr und Faust. In dieser Szene wird auch die Rolle der Frau zur damaligen  Zeit deutlich: Für eine gute Frau ziemt es sich nicht Geschenke von einem Mann anzunehmen oder sich mit einem fremden Mann einzulassen, von sexuellen Handlungen ganz zu schweigen.
Am Brunnen.
Gretchen und Lieschen.
mit Krügen.
Lieschen.
Hast nichts von Bärbelchen gehört?

Gretchen.
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3545
Kein Wort. Ich komm’ gar wenig unter Leute.

Lieschen.
Gewiß, Sibylle sagt’ mir’s heute!
Die hat sich endlich auch bethört.
Das ist das Vornehmthun!

Gretchen.
 Wie so?
[236]
Lieschen.
 Es stinkt!
Sie füttert zwey, wenn sie nun ißt und trinkt.

Gretchen.
3550
Ach!
Gretchen erfährt von einem Mädchen, dass schwanger ist ( sie füttert zwey, wenn sie nun ißt und trinkt)

Lieschen.
So ist’s ihr endlich recht ergangen.
Wie lange hat sie an dem Kerl gehangen!
Das war ein Spaziren,
Auf Dorf und Tanzplatz Führen,
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Mußt’ überall die erste seyn,
Curtesirt’ ihr immer mit Pastetchen und Wein;
Bild’t sich was auf ihre Schönheit ein,
War doch so ehrlos sich nicht zu schämen
Geschenke von ihm anzunehmen.
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War ein Gekos’ und ein Geschleck’;
Da ist denn auch das Blümchen weg!

Gretchen.
Das arme Ding!
Lieschen ist sehr schadenfroh, eimpfindet es als gerechte Konsequenz, dass sie jetzt ein unehlies Kind erwartet, da sie mit dem Mann ja häufiger spazieren ging und sich sehr schön fühlte. Auch das die nun Schwangere Geschenke von ihrem Verehrer annahm missfällt Lieschen.
Lieschen.
 Bedauerst sie noch gar!
Wenn unser eins am Spinnen war,
[237]
Uns Nachts die Mutter nicht hinunterließ,
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Stand sie bey ihrem Buhlen süß,
Auf der Thürbank und im dunkeln Gang
Ward’ ihnen keine Stunde zu lang.
Da mag sie denn sich ducken nun,
Im Sünderhemdchen Kirchbuß’ thun!

Gretchen.
3570
Er nimmt sie gewiß zu seiner Frau.

Lieschen.
Er wär’ ein Narr! Ein flinker Jung’
Hat anderwärts noch Luft genung.
Er ist auch fort.
Gretchen erfährt, dass sich der mutmaßliche Vater aus dem Staub gemacht hat, obwohl dieser doch eigntlich für das Kind sorgen müsste
Gretchen.
 Das ist nicht schön!

Lieschen.
Kriegt sie ihn, soll’s ihr übel gehn.
3575
Das Kränzel reißen die Buben ihr,
Und Häckerling streuen wir vor die Thür!
ab.
Gretchen.
nach Hause gehend.
Wie konnt’ ich sonst so tapfer schmählen,
[238]
Sah ich ein armes Mägdlein fehlen!
Wie konnt’ ich über andrer Sünden
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Nicht Worte g’nug der Zunge finden!
Wie schien mir’s schwarz, und schwärzt’s noch gar,
Mir’s immer doch nicht schwarz g’nug war,
Und segnet’ mich und that so groß,
Und bin nun selbst der Sünde bloß!
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Doch – alles, was dazu mich trieb,
Gott! war so gut! ach war so lieb!
[239]
Gretchen wird klar was sie getan hat und das sie sich selbst versündigt hat. 

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